{"id":7338,"date":"2020-10-19T20:44:11","date_gmt":"2020-10-19T18:44:11","guid":{"rendered":"http:\/\/east-sea.de\/?p=7338"},"modified":"2020-10-24T10:38:10","modified_gmt":"2020-10-24T08:38:10","slug":"gefaehrliche-zuspitzung-im-ostchinesischen-meer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/test.east-sea.de\/de\/2020\/10\/19\/gefaehrliche-zuspitzung-im-ostchinesischen-meer\/","title":{"rendered":"Gef\u00e4hrliche Zuspitzung im Ostchinesischen Meer"},"content":{"rendered":"<p class=\"intro\"><em><strong>China forciert seinen Besitzanspruch auf die von Japan verwalteten Senkaku-Inseln. Bislang reagiert Japan sehr zur\u00fcckhaltend, aber die j\u00fcngsten Vorst\u00f6\u00dfe bedrohen die relativ guten chinesisch-japanischen Beziehungen.<\/strong><\/em><\/p>\n<div class=\"picBox full\"><a class=\"overlayLink init\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/gef%C3%A4hrliche-zuspitzung-im-ostchinesischen-meer\/a-55325077#\" rel=\"nofollow\"><img decoding=\"async\" title=\"Japanische und Chinesische K\u00fcstenwachschiffe vor den umstrittenen Senkaku-Inseln (Getty Images\/AFP\/Y. Shimbun)\" src=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/18887142_303.jpg\" alt=\"Japanische und Chinesische K\u00fcstenwachschiffe vor den umstrittenen Senkaku-Inseln (Getty Images\/AFP\/Y. Shimbun)\" \/><\/a>Japanische und Chinesische K\u00fcstenwachschiffe vor den umstrittenen Senkaku-Inseln<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"group\">\n<div class=\"longText\">\n<p>57 Stunden und 39 Minuten lang hielten sich zwei Schiffe der chinesischen K\u00fcstenwache seit dem zweiten Sonntag im Oktober in den Territorialgew\u00e4ssern (d.h. innerhalb einer 12- Seemeilen-Zone) um die Senkaku-Inseln auf, die China als Diaoyu-Inseln beansprucht. Damit wurde der vorige Rekord von 39 Stunden und 23 Minuten im Juli deutlich \u00fcbertroffen. Beide Male n\u00e4herten sich die chinesischen Schiffe einem japanischen Fischerboot und ignorierten die Aufforderung der japanischen K\u00fcstenwache, das Gebiet zu verlassen. Im Vergleich zu den aktuellen Territorialstreitigkeiten Chinas etwa mit Indien wirken diese Vorf\u00e4lle harmlos. Aber Beobachter sprechen von einer neuen Qualit\u00e4t der chinesischen Aktivit\u00e4ten in dem umstrittenen Gebiet, die das Verh\u00e4ltnis zwischen Peking und Tokio verschlechtern und die Stabilit\u00e4t in Ostasien gef\u00e4hrden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>&#8222;Im Ostchinesischen Meer zieht ein Sturm auf&#8220;, meint Alessio Patalano, Milit\u00e4r-Experte und Chef des Japan-Programms am Londoner King&#8217;s College. Seit der japanischen Verstaatlichung einiger Senkaku-Inseln im Jahr 2012 sei Chinas K\u00fcstenwache immer wieder in die Inselgew\u00e4sser eingedrungen und habe in der Region Pr\u00e4senz gezeigt. Doch seit 2019 zeige China viel st\u00e4rker Flagge: 2019 seien chinesische Schiffe 1097 Mal an 282 Tagen, also so oft wie nie zuvor in die Territorialzone um die Inseln eingedrungen. Mit den l\u00e4ngeren Aufenthalten und der Interaktion mit japanischen Booten in diesem Jahr sei die n\u00e4chste Stufe erreicht. &#8222;China beginnt damit, Japans Verwaltung \u00fcber das Gebiet aktiv herauszufordern&#8220;, analysiert Patalano.<\/p>\n<h2>Schleichende \u00dcbernahme ohne Krieg<\/h2>\n<p>Nach seiner Ansicht verfolgt Peking im Ostchinesischen Meer eine dreistufige Zerm\u00fcrbungsstrategie. Auf die bereits erfolgte &#8222;Normalisierung&#8220; der chinesischen Pr\u00e4senz bei den Inseln durch den Gew\u00f6hnungseffekt folge nun verst\u00e4rkt die eigene Rechtsdurchsetzung, etwa durch die bedrohliche Ann\u00e4herung an japanische Fischerboote. Im letzten Schritt wolle China die Kontrolle \u00fcber das Gebiet ganz \u00fcbernehmen. Sicherheitsexperten in Japan h\u00e4tten dies erst in ein bis zwei Jahrzehnten erwartet, doch nun werde es schon innerhalb des n\u00e4chsten Jahrzehnts geschehen. &#8222;China will an der Stelle von Japan die Hoheit \u00fcber die Inseln aus\u00fcben und gleichzeitig versuchen, einen bewaffneten Konflikt, wenn m\u00f6glich, zu vermeiden&#8220;, sagt der Experte.<\/p>\n<div class=\"picBox full\nrechts\n\"><a class=\"overlayLink init\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/gef%C3%A4hrliche-zuspitzung-im-ostchinesischen-meer\/a-55325077#\" rel=\"nofollow\"><img decoding=\"async\" title=\"Karte Senkaku-Inseln Deutsch (DW)\" src=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/16522917_401.png\" alt=\"Karte Senkaku-Inseln Deutsch (DW)\" \/><\/a><\/div>\n<p>Das Vordringen in diese Region\u00a0des Ostchinesischen Meeres\u00a0 dr\u00fcckt wahrscheinlich Chinas gest\u00e4rktes Selbstverst\u00e4ndnis aus, eine Weltmacht zu sein. Dieser Herausforderung ist sich die japanische Regierung sehr bewusst. In ihrem neuen Wei\u00dfbuch f\u00fcr Verteidigung stellt sie die chinesische Bedrohung der Senkakus so scharf dar wie nie zuvor: Chinesische Beh\u00f6rden w\u00fcrden ihren Anspruch auf die Inseln &#8222;unerbittlich&#8220; vorantreiben und den Status quo durch stetig wachsende maritime Aktivit\u00e4ten untergraben, hei\u00dft es in dem Wei\u00dfbuch. Bei der Vorstellung des Wei\u00dfbuches im Juli sagte der damalige Verteidigungsminister Taro Kono, eine weitere Intensivierung k\u00f6nnte den Einsatz milit\u00e4rischer Mittel von Japan ausl\u00f6sen.<\/p>\n<h2>Gegenseitiges Ausloten der Positionen<\/h2>\n<p>Bei der j\u00fcngsten Zuspitzung k\u00f6nnte allerdings auch der Wechsel des Regierungschefs von Shinzo Abe zu Yoshihide Suga eine gewisse Rolle spielen. Japans neuer Premier hatte bei seinem ersten Telefonat mit Chinas Pr\u00e4sident Xi Jinping am 25. September die Situation im Ostchinesischen Meer direkt angesprochen. Nur eine Woche sp\u00e4ter bekr\u00e4ftigte die chinesische Regierung mit einem &#8222;digitalen Museum&#8220; ihren Besitzanspruch auf die Diaoyu-Inseln. Weitere zwei Wochen sp\u00e4ter erfolgte die bisher l\u00e4ngste Verweildauer der chinesischen K\u00fcstenwache in den Senkaku-Gew\u00e4ssern. Als einzige Reaktion k\u00fcndigte Japan bisher an, die Inseln mit Hilfe von Satellitendaten genauer zu vermessen.<\/p>\n<p>Das chinesische Vorgehen l\u00e4sst sich als ein Test der neuen japanischen Regierung verstehen. &#8222;Es ist ein risikoarmer Weg f\u00fcr China, um zu sehen, wie Suga reagiert&#8220;, meint Michael MacArthur Bosack vom Yokosuka Council on Asia-Pacific Studies. Schlie\u00dflich sei noch nicht zu erkennen, ob Suga mit China genauso umgehen will wie sein Vorg\u00e4nger Abe. Dessen drei Handlungsprinzipien f\u00fcr China beschrieb Matthew Goodman vom US-Center for Strategic and International Studies als &#8222;soweit wie m\u00f6glich miteinander arbeiten, sich absichern, falls notwendig, und bei der regionalen und globalen Regelsetzung f\u00fchren&#8220;.<\/p>\n<div class=\"picBox full\nrechts\n\"><a class=\"overlayLink init\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/gef%C3%A4hrliche-zuspitzung-im-ostchinesischen-meer\/a-55325077#\" rel=\"nofollow\"><img decoding=\"async\" title=\"Chinesisches U-Boot im Ostchinesischen Meer (Reuters\/Defense Ministry of Japan)\" src=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/42151614_401.jpg\" alt=\"Chinesisches U-Boot im Ostchinesischen Meer (Reuters\/Defense Ministry of Japan)\" \/><\/a>Im Januar 2018 ver\u00f6ffentlicht das japanische Verteidigungsministerium dieses Foto eines chinesischen U-Boots im Ostchinesischen Meer<\/p>\n<\/div>\n<p>Jedoch k\u00f6nnte China auch auf einen japanischen Test geantwortet haben. Denn statt es bei einem freundlichen Erstkontakt mit Xi zu belassen, sprach Suga sofort die angespannte Lage um die Senkakus sowie das chinesische Sicherheitsgesetz f\u00fcr Hongkong an. Vergangene Woche war Japan der Gastgeber f\u00fcr den &#8222;quadrilateralen Sicherheitsdialog&#8220; (Quad) mit den USA, Indien und Australien, der unter dem Motto eines &#8222;freien und offenen Indo-Pazifiks&#8220; gegen das chinesische Machtstreben auf den Wasserwegen in Asien zielt. Mit der gleichen Zielrichtung f\u00fchrt die erste Auslandsreise von Suga in dieser Woche nach Vietnam und Indonesien.<\/p>\n<h2>D\u00fcstere Perspektiven<\/h2>\n<p>Die Verh\u00e4rtung der Fronten im Ostchinesischen Meer hat globale Bedeutung, weil Japan eine Auseinandersetzung um die Senkakus als B\u00fcndnisfall betrachtet und dabei auf milit\u00e4rische Unterst\u00fctzung aus den USA z\u00e4hlt. Washington wiederum hat mehrmals versichert, die Inseln gegen einen chinesischen Zugriff zu verteidigen. Vor diesem Hintergrund spielte das Center f\u00fcr New American Security (CNAS) in Washington vor drei Monaten ein Kriegsszenario f\u00fcr das Ostchinesische Meer durch. &#8222;Es steht viel auf dem Spiel&#8220;, sagte Susanna Blume, Chefin des CNAS-Verteidigungsprogramms. &#8222;Wer auch immer dieses Kr\u00e4ftemessen gewinnt \u2013 es hat das Potenzial, die Asien-Pazifik-Region f\u00fcr die n\u00e4chste Dekade zu pr\u00e4gen.&#8220;<\/p>\n<p>Bei dem virtuellen Planspiel &#8222;A Deadly Game: East China Sea Crisis 2030&#8220; besetzen 50 chinesische Soldaten eine einzelne Senkaku-Insel und rufen eine 50-Meilen-Zone aus. China stationiert Zerst\u00f6rer, U-Boote, Drohnen und Flugzeuge um die Insel und bringt auf dem Festland Mittelstreckenraketen in Stellung. Darauf stellt Japan eine Invasionsflotte zusammen. Zwei US-Flugzeugtr\u00e4ger sowie U-Boote und Kampfbomber eilen unter dem Befehl herbei, ihren Verteidigungsauftrag gegen\u00fcber Japan ohne einen milit\u00e4rischen Schlagabtausch zu erf\u00fcllen. \u00dcber 400 Mitspieler stimmten \u00fcber m\u00f6gliche Strategien wie Cyberangriffe ab. Doch am Ende eskalierte der virtuelle Machtkampf in einen heftigen milit\u00e4rischen Schlagabtausch, bei dem China die besetzte Insel trotz hoher Verluste beh\u00e4lt.<\/p>\n<p>dw.com<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_7338\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"7338\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/test.east-sea.de\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p>Views: 0<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>China forciert seinen Besitzanspruch auf die von Japan verwalteten Senkaku-Inseln. 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