{"id":5708,"date":"2020-01-05T21:51:09","date_gmt":"2020-01-05T20:51:09","guid":{"rendered":"http:\/\/east-sea.de\/?p=5708"},"modified":"2020-01-17T22:24:11","modified_gmt":"2020-01-17T21:24:11","slug":"warum-im-kommenden-jahrzehnt-ein-konflikt-zwischen-den-usa-und-china-droht-und-welche-rolle-deutschland-dabei-spielt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/test.east-sea.de\/de\/2020\/01\/05\/warum-im-kommenden-jahrzehnt-ein-konflikt-zwischen-den-usa-und-china-droht-und-welche-rolle-deutschland-dabei-spielt\/","title":{"rendered":"Warum im kommenden Jahrzehnt ein Konflikt zwischen den USA und China droht \u2014 und welche Rolle Deutschland dabei spielt"},"content":{"rendered":"<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" class=\" ls-is-cached lazyloaded\" title=\"Chinesische Soldaten bei einer Patrouille in den Bergen der Provinz Xinjiang Ende November.\" src=\"https:\/\/cdn.businessinsider.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/GettyImages-1185480543-600x400.jpg\" alt=\"Chinesische Soldaten bei einer Patrouille in den Bergen der Provinz Xinjiang Ende November.\" \/><figcaption class=\"bi-photo-caption\">Chinesische Soldaten bei einer Patrouille in den Bergen der Provinz Xinjiang Ende November.<\/figcaption><small class=\"bi-content-image-copyright\">Costfoto \/ Barcroft Media via Getty Images<\/small><\/figure>\n<ul>\n<li><strong>Am 1. Januar beginnt nicht nur ein neues Jahr, es beginnen auch die 2020er Jahre. Wie wird sich unser Leben in diesem kommenden Jahrzehnt ver\u00e4ndern? Wo stehen wir 2030? In unserer Serie #Deutschland2030 wollen wir Antworten darauf geben. <\/strong><\/li>\n<li><strong>In diesem Teil geht es um internationale Sicherheitspolitik: Welche Konflikte wird es in den kommenden zehn Jahren geben? Welche Akteure werden sich dabei gegen\u00fcber stehen.<\/strong><\/li>\n<li><strong>Wir haben Ulrike Franke, die am European Council on Foreign Relations \u00fcber die Zukunft der Kriegsf\u00fchrung forscht, gefragt. Ihre Bef\u00fcrchtung: Bis 2030 k\u00f6nnte aus dem wirtschaftlichen Konflikt zwischen USA und China ein milit\u00e4rischer werden.<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>Wenn es um Krieg und Gewalt ging, war die Politikwissenschaft lange optimistisch. Fr\u00fcher, so das Credo, fr\u00fcher war alles schlechter. Vor der Nachkriegsordnung, der Nato, den Vereinten Nationen, vor dem Mauerfall und dem Zusammenbruch der Sowjetunion, vor der europ\u00e4ischen Idee und der EU.<\/p>\n<p>Der Glaube an die Liberal Peace Doctrine \u2014 die These, dass freie, am besten demokratische L\u00e4nder weniger Kriege untereinander f\u00fchren \u2014 hat sich in den vergangenen Jahrzehnten weitgehend best\u00e4tigt.<\/p>\n<p>Klar, Gewalt und Krieg gab es trotzdem, aber verglichen mit dem Grauen zweier Weltkriege ging die Gewalt zur\u00fcck, war die Welt friedlicher. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs frohlockte der Politikwissenschaftler Francis Fukuyama \u00fcber das \u201eEnde der Geschichte\u201c, den Sieg der freien Marktwirtschaft und Demokratie; und 2011 proklamierte der Harvard-Psychologe Steven Pinker nach einer Auswertung von Daten \u00fcber die weltweite Gewalt: \u201eWir leben in den friedvollsten Zeiten aller Zeiten.\u201c<\/p>\n<p>Dann kamen die 2010er-Jahre: Die russische Invasion der Krim; der Arabische Fr\u00fchling und die aus ihm hervorgehenden B\u00fcrgerkriege in Libyen und Syrien; der Vormarsch der Terrormiliz Islamischer Staat im Nahen Osten und der Terror durch die Islamisten von Boko Haram in Nigeria; das Wiedererstarken der Taliban in Afghanistan, mittlerweile der t\u00f6dlichste Konflikt der Welt; der Jemen-Krieg, in dem die Regionalm\u00e4chte Saudi-Arabien und Iran ein ganzes Volk zwischen sich aufreiben; der erneute Ausbruch eines blutigen B\u00fcrgerkriegs in Sudan und S\u00fcdsudan; das aggressive, wenngleich bisher noch nicht offensive Auftreten Chinas im S\u00fcdchinesischen Meer.<\/p>\n<p>Es kamen Xi Jinping, Donald Trump und der Brexit. Die Welt ist unsicherer, unberechenbarer geworden. Und weniger optimistisch. Die Liberal Peace Doctrine, das \u201eEnde der Geschichte\u201c, die \u201efriedvollsten Zeiten aller Zeiten\u201c \u2014 damit k\u00f6nnte es im kommenden Jahrzehnt endg\u00fcltig vorbei sein.<\/p>\n<div id=\"outbrain_widget_0\" class=\"OUTBRAIN\">\n<div class=\"ob-widget ob-one-column-layout SF_11\">\n<div class=\"ob_what\"><\/div>\n<div class=\"ob-pixels\">\u00a0<strong>\u201eDeutschland und Europa werden milit\u00e4rische F\u00e4higkeiten brauchen, um bestehen zu k\u00f6nnen\u201c<\/strong><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>\u201eWir machen uns gar nicht bewusst wie d\u00fcnn die Schicht ist, die zivile L\u00e4nder von milit\u00e4rischen Konflikten abh\u00e4lt\u201c, sagt Ulrike Franke, Politikwissenschaftlerin am European Council on Foreign Relations, Business Insider. \u201eWir haben uns sehr an die Kant\u2019sche Welt gew\u00f6hnt: \u201aWer soll uns schon angreifen, milit\u00e4risch, kann ich mir gar nicht vorstellen.\u2019\u201c<\/p>\n<p>Franke kann sich das vorstellen. Sie forscht in London nicht nur \u00fcber autonome Waffentechnologien, wie etwa Drohnen, sondern auch \u00fcber die Zukunft der Kriegsf\u00fchrung und internationalen Sicherheitspolitik. Und auf die n\u00e4chsten zehn Jahre dieser Zukunft schaut sie vorsichtig pessimistisch.<\/p>\n<p>\u201eIch glaube, dass das Milit\u00e4rische wichtiger werden wird \u2014\u00a0ich sehe\u00a0unter anderem\u00a0die M\u00f6glichkeit einer Auseinandersetzung zwischen China und den USA\u201c, sagt Franke. Konfliktpotential gebe es genug, mit Hongkong, Taiwan und dem S\u00fcdchinesischen Meer.<\/p>\n<p>China zeige schon jetzt, dass es zur Durchsetzung seiner Interessen auch zu Konflikten bereit sei. Eben auch mit den USA: \u201eIch f\u00e4nde es beinahe erstaunlich, wenn es da im n\u00e4chsten Jahrzehnt nicht zumindest Scharm\u00fctzel g\u00e4be.\u201c<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" class=\" ls-is-cached lazyloaded\" title=\"Die USA patrouillieren mit Flugzeugtr\u00e4gern wie der USS Reagan (hier fotografiert am 16. Oktober) das S\u00fcdchinesische Meer. \" src=\"https:\/\/cdn.businessinsider.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/GettyImages-1176316398-600x400.jpg\" alt=\"Die USA patrouillieren mit Flugzeugtr\u00e4gern wie der USS Reagan (hier fotografiert am 16. Oktober) das S\u00fcdchinesische Meer. \" \/><figcaption class=\"bi-photo-caption\">Die USA patrouillieren mit Flugzeugtr\u00e4gern wie der USS Reagan (hier fotografiert am 16. Oktober) das S\u00fcdchinesische Meer.<\/figcaption><small class=\"bi-content-image-copyright\">CATHERINE LAI\/AFP via Getty Images<\/small><\/figure>\n<p>Franke ist \u00fcberzeugt, dass sich die Vereinigten Staaten im kommenden Jahrzehnt weiter aus Europa zur\u00fcckziehen und sich dem Pazifik und damit China zuwenden werden.<\/p>\n<div id=\"outbrain_widget_1\" class=\"OUTBRAIN\">\n<div class=\"ob-widget ob-one-column-layout SF_12\">\n<div class=\"ob-pixels\">\u00a0F\u00fcr die EU und Deutschland werde das gro\u00dfe Ver\u00e4nderungen bedeuten. \u201eDeutschland und Europa werden milit\u00e4rische F\u00e4higkeiten brauchen, um in machtpolitischen Auseinandersetzungen \u2014 von denen in den n\u00e4chsten zehn Jahren mehr zu erwarten sein werden \u2014 bestehen und in der internationalen Politik ihre Interessen durchsetzen zu k\u00f6nnen\u201c, sagt Franke.<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Europa sei schnell dabei, milit\u00e4rische Zusammenst\u00f6\u00dfe auszuschlie\u00dfen. Dabei sei es nicht ausgeschlossen, dass auch Russland in den 2020er-Jahren noch einmal milit\u00e4risch aktiv wird. So, wie auf der Krim. \u201eMilit\u00e4rische Abschreckung, die auf reellen milit\u00e4rischen F\u00e4higkeiten basiert, wird wichtiger werden\u201c, sagt Franke.<\/p>\n<p><strong>Mehr Auslandseins\u00e4tze f\u00fcr die Bundeswehr?<\/strong><\/p>\n<p>Auch in Deutschland, auch f\u00fcr die Bundeswehr. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat angek\u00fcndigt, dass sie f\u00fcr die deutsche Armee mehr Auslandseins\u00e4tze vorsieht.<\/p>\n<p>Franke h\u00e4lt das f\u00fcr realistisch: \u201eEs ist sehr wahrscheinlich, dass f\u00fcr die Bundeswehr bis 2030 neue Auslandseins\u00e4tze dazu kommen werden. Deutschland reagiert mit Eins\u00e4tzen nur auf Krisen \u2014 aber zehn Jahre sind lang, Konfliktpotential gibt es genug.<\/p>\n<p>Wom\u00f6glich zu viel. China, Russland, ambitionierte Regionalm\u00e4chte wie der Iran, Saudi-Arabien oder die T\u00fcrkei \u2014 es mangelt nicht an Aggressoren auf der Welt. Gleichzeitig bef\u00fcrchtet Franke einen \u201eschleichenden Tod der Nato\u201c, eine Erosion des B\u00fcndnisfalls nach Artikel 5 und eine Kultur, nach der \u00fcber die Mitgliedschaft im Atlantischen B\u00fcndnis durch Geld entschieden wird.<\/p>\n<p>\u201eIch mache mir Sorgen, dass wir in den kommenden Jahren in einer viel instabileren und unsicheren Welt leben werden, in der die Machtverh\u00e4ltnisse viel weniger gekl\u00e4rt sind\u201c, sagt Franke. Auch, weil die Gefahr bestehe, dass neue Technologien die nukleare Abschreckung schw\u00e4chen oder obsolet machen k\u00f6nnten. \u201eDann sind wir in einer neuen Art von Welt. Dann ver\u00e4ndern sich die Spielregeln.\u201c<\/p>\n<p>businessinsider.de<\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_5708\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"5708\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/test.east-sea.de\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p>Views: 0<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Chinesische Soldaten bei einer Patrouille in den Bergen der Provinz Xinjiang Ende November.Costfoto \/ Barcroft Media via Getty Images Am 1. 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