{"id":4266,"date":"2019-04-22T10:45:30","date_gmt":"2019-04-22T08:45:30","guid":{"rendered":"http:\/\/east-sea.de\/?p=4266"},"modified":"2019-04-22T10:45:30","modified_gmt":"2019-04-22T08:45:30","slug":"eu-asean-ferne-partner-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/test.east-sea.de\/de\/2019\/04\/22\/eu-asean-ferne-partner-teil-1\/","title":{"rendered":"EU \u2013 ASEAN: Ferne Partner (Teil 1)"},"content":{"rendered":"<p>Zwar hatte es nachweisbar schon seit den Zeiten des r\u00f6mischen Kaiserreiches Handelsbeziehungen zwischen Europa und Ost bzw. S\u00fcdostasien gegeben, aber diese Beziehungen gingen \u00fcber viele Stationen und unterschiedliche Zwischenh\u00e4ndler arabischen, persischen und nat\u00fcrlich auch malaysischen Ursprungs; Kulturen, die auf Handel und Austausch angelegt waren und davon auch materiell profitierten. Die wirtschaftliche St\u00e4rke dieser H\u00e4ndler beruhte auf einem weitverzweigten Netz von Handelspartnern, denen man aufgrund langj\u00e4hriger Gesch\u00e4ftsbeziehungen vertrauen konnte, auf einem \u00fcber die Jahrzehnte gewachsenen Erfahrungs- und Informationsschatz, wo man was zu g\u00fcnstigen Preisen und guter Qualit\u00e4t kaufen konnte, welche sicheren H\u00e4fen man anlaufen konnte und nicht zuletzt wen man bestechen musste und konnte, um die erforderlichen Transaktionen durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen. Die Anwendung brachialer oder gar milit\u00e4rischer Gewalt geh\u00f6rte nicht zum Kalk\u00fcl dieser Kaufleute, vielmehr hing der Erfolg ihrer Operationen in hohem Ma\u00df davon ab, ob es ihnen gelang, staatlicher Gewalt auszuweichen, sie zu umgehen oder sich deren Zustimmung durch materielle Leistungen aller Art zu erkaufen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-4267\" src=\"http:\/\/east-sea.de\/datei\/uploads\/2019\/04\/8ac6c16e351170e26fafb4aaa4b31857-300x164.jpg\" alt=\"\" width=\"399\" height=\"218\" \/><\/p>\n<p>Die europ\u00e4ischen Kaufleute, die in den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts nach S\u00fcdostasien vordrangen, konnten sich ganz anderer Machtressourcen bedienen. Gest\u00fctzt auf die milit\u00e4rische \u00dcberlegenheit, die jene mit Kanonen best\u00fcckten Schiffe boten, lie\u00dfen sich ihre Handelsinteressen auch mit nicht\u00f6konomischen Mitteln im Klartext mit milit\u00e4rischer Gewalt durchsetzen. Auch die europ\u00e4ischen Missionare, die die ersten kulturellen Kontakte zwischen Europa und S\u00fcdostasien herstellten und sich meist sehr viel intensiver mit den Kulturen und den sozialen Gegebenheiten S\u00fcdostasiens befassten als die wirtschaftlichen und milit\u00e4rischen Akteure Europas, hatten auch letztlich die christliche Mission diesen Schutz milit\u00e4rischer Gewalt im R\u00fccken, auch wenn dieser in etlichen F\u00e4llen die Ermordung europ\u00e4ischer Missionare nicht zu verhindern vermochte.<\/p>\n<p>Mehr als zwei Jahrhunderte lang konzentrierten sich die europ\u00e4ischen M\u00e4chte auf die Errichtung einzelner St\u00fctzpunkte in S\u00fcdosten, um dort ihren \u00f6konomischen wie wirtschaftlichen Einflussbereich abzusichern und auszuweiten. Erst Ende des 18. Jahrhunderts begannen sie damit, die direkte Herrschaft \u00fcber immer gr\u00f6\u00dfere Gebiete S\u00fcdostasiens auszu\u00fcben und dort Kolonien zur errichten. Diese direkte Herrschaft des Kolonialismus erlaubte es den europ\u00e4ischen Kolonialm\u00e4chten, nicht nur h\u00f6chst profitable Handelsgesch\u00e4fte zu betreiben, sondern die landwirtschaftlichen Ressourcen dieser L\u00e4nder durch gro\u00dffl\u00e4chig organisierten Plantagenanbau auszubeuten und die mineralischen Ressourcen in eigenen Bergwerken abzubauen.<\/p>\n<p>Der europ\u00e4ische Kolonialismus besser gesagt die europ\u00e4ischen Kolonialm\u00e4chte Spanien, die Niederlande, England und schlie\u00dflich auch Frankreich hatten S\u00fcdostasien unter sich aufgeteilt und alles daran gesetzt die Wirtschaft dieser L\u00e4nder an den wirtschaftlichen Bed\u00fcrfnissen der Mutterl\u00e4nder auszurichten. Zwar gelang es den Kolonialm\u00e4chten nur unvollkommen die wirtschaftlichen Beziehungen jenes wirtschaftliche Beziehungsgeflecht zu zerschneiden, das sich dort \u00fcber die Jahrhunderte etabliert hatte, aber auf politischer Ebene waren die verschiedenen Kolonialgebiete strikt voneinander abgeschottet. Selbst die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Geheimpolizei, der Austausch entsprechender Informationen war eher zuf\u00e4llig als systematisch. F\u00fcr diejenigen, die sich gegen den Kolonialismus erhoben, hatte dies auch Vorteile. So fand der Gr\u00fcndungskongress der KP Vietnams 1930 in der britischen Kolonie Hongkong statt, weil man sich da vor dem Zugriff der franz\u00f6sischen S\u00fbret\u00e9 gesch\u00fctzt wusste.<\/p>\n<p>Langfristig sehr viel pr\u00e4gender und wichtiger war jedoch die rechtliche Vorstellung von Grenzen und Grenzlinien, von territorialer Integrit\u00e4t, die die Kolonialm\u00e4chte mit nach S\u00fcdostasien brachten und damit eine Tradition begr\u00fcndeten, die sich bis zum heutigen Tage auswirkt. Das beginnt mit dem Vertrag von Zaragossa (1529), der nach dem Vorbild des Vertrags von Tordesilla (1494) eine klare Aufteilung der spanischen und portugiesischen Interessensph\u00e4ren in S\u00fcdostasien vornahm und findet seine Fortsetzung in zahllosen Vertr\u00e4gen, in denen die Kolonialm\u00e4chte die Grenzen ihrer Herrschaftsgebiete klar in L\u00e4ngen- und Breitengraden definierten. Dies best\u00e4rkte die Vorstellung, dass sich Konflikte durch eine klar definierte Grenzziehung regeln lassen; ein Konzept, das nur bedingt tauglich ist, wie die Konflikte in der s\u00fcdchinesischen See allzu anschaulich belegen.<\/p>\n<p>Angesichts einer Sicht, die der Zerst\u00f6rung alter Kulturen und Wirtschaftssysteme und der mit massiver Gewalt durchgesetzten neuen Strukturen keineswegs zu Unrecht breiten Raum einr\u00e4umt, sollte andere oft gegens\u00e4tzliche Aspekte der kolonialen Herrschaft nicht au\u00dfer Acht gelassen werden. \u00a0Seit Jahren wird\u00a0 in intellektuellen Kreisen S\u00fcdostasiens sehr angeregt dar\u00fcber diskutiert, inwieweit einzelne Akteure der Kolonialen Herrschaft, wichtige Beitr\u00e4ge zur Erforschung der eigenen Geschichte, die in einigen L\u00e4ndern sehr stark in Vergessenheit geraten war, geleistet haben, indem sie alte Schriftsysteme entziffert, neue Schriftsysteme entwickelt und Bauten wieder entdeckten, die bereits wieder in Vergessenheit geraten waren. Fortschritte in der Tropenmedizin und Gesundheitsf\u00fcrsorge, die Umsetzung grundlegender Infrastrukturma\u00dfnahmen wie der Bau von Stra\u00dfen und Eisenbahnlinien zielten nat\u00fcrlich auf die Interessen der Kolonialherrschaft ab, sie hinterlie\u00dfen ein Erbe, das auch f\u00fcr die postkolonialen Zeiten von Nutzen war und dessen heutzutage auch \u00f6ffentlich gedacht wird; man denke nur an die vielf\u00e4ltige Nennung des Namens Pasteur.<\/p>\n<p>So signifikant die eben genannten Punkte in einigen Bereichen gewesen sein m\u00f6gen, entscheidender f\u00fcr die weitere politische Entwicklung der europ\u00e4ischen Kolonialgebiete waren politische Konzepte, die in Europa ihren Ursprung hatten, aber wesentlich dazu beitrugen, die europ\u00e4ische Kolonialherrschaft in \u00dcbersee zu ersch\u00fcttern und schlie\u00dflich zum Einsturz zu bringen.<\/p>\n<p>Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts spielte hier der Nationalismus eine entscheidende Rolle. Die Idee des souver\u00e4nen Nationalstaats, dessen B\u00fcrger mit gleichen Rechten ausgestattet sind und daher einen homogenen Volksk\u00f6rper bilden, der die Basis Staatsgewalt darstellt, verf\u00fcgte auch in Europa \u00fcber keine allzu lange Tradition. Umso erstaunlicher war der rasante Erfolg, den diese seit der Mitte des 19. Jahrhunderts in Europa hatte und der dazu f\u00fchrte, dass sich die politische Landkarte in Europa in wenigen Jahrzehnten grundlegend ver\u00e4nderte.<\/p>\n<p>Noch unerwarteter und daher spektakul\u00e4rer war Erfolg des Nationalismus in den Kolonialgebieten. Nachdem erste Versuche der traditionellen Eliten, das \u00fcberkommene Herrschaftssystem zu restaurieren und die Kolonialm\u00e4chte zu vertreiben, kl\u00e4glich gescheitert waren, gewann jene europ\u00e4ische Idee des Nationalismus in den Kolonien mehr und mehr an Attraktivit\u00e4t. Denn diese Ideologie richtete sich eben nicht nur an die Eliten sondern an alle Einwohner des Landes. Sie verlieh ihnen neues Selbstbewusstsein und appellierte an ihren Stolz, ein B\u00fcrger dieses Landes zu sein und ihren Willen, sich nicht l\u00e4nger einer Herrschaft von Leuten zu beugen, die aus fernen L\u00e4ndern stammten und nur daran interessiert waren, die Ressourcen ihrer Kolonien r\u00fccksichtslos auszubeuten; eine Erfahrung, die auch die Masse der Bev\u00f6lkerung jeden Tag sehr schmerzhaft erleben musste. Der Kampf gegen den Kolonialismus war damit auf eine ungleich gr\u00f6\u00dfere Massenbasis gestellt als in jenen Konzeptionen, f\u00fcr die Politik allein eine Aufgabe der Eliten war, w\u00e4hrend die breite Masse der Bev\u00f6lkerung Herrschaftsverh\u00e4ltnisse einfach hinzunehmen hatte, von deren Gestaltung sie aber ausgeschlossen war.<\/p>\n<p>Mobilisierung der Massen lie\u00df sich aber nur dann erfolgreich in Szene setzen, wenn jener Appell an das politische Bewusstsein durch eine System der politischen Organisation erg\u00e4nzt und unterst\u00fctzt wurde, das aus die politisch Mobilisierten zu einem durchsetzungsf\u00e4higen\u00a0 schlagkr\u00e4ftigen Akteur formte. Auch hier kam eine Konzeption zu Hilfe, die in Europa ihre Wurzeln hatte und allgemein mit dem Begriff des Kommunismus verbunden wird. Was jedoch in den Kolonien S\u00fcdostasiens interessiert und faszinierte waren nicht so sehr die Schriften von Karl Marx und Friedrich Engels \u00fcber das Wesen und Wirken des hochentwickelten Kapitalismus, sondern die\u00a0 Schriften Lenins, dessen Denken im hohen Ma\u00dfe von europ\u00e4ischen Philosophen und Politikern gepr\u00e4gt. Es sind vor allem zwei Punkte, die Lenins Theorien so attraktiv machten: Zum einen r\u00e4umte Lenin der Revolution in den Kolonien, der Peripherie des Kapitalismus, einen ebenso hohen Stellenwert ein wie der Revolution in den Metropolen des Kapitalismus. Die K\u00e4mpfer gegen den Kolonialismus standen somit auf einer Stufe mit den proletarischen Revolution\u00e4ren in den Metropolen und hatten somit gleichberechtigten Anteil am weltrevolution\u00e4ren Prozess. Ho Chi Minh berichtet dar\u00fcber wie von einem religi\u00f6sen Erweckungserlebnis:<\/p>\n<p>\u201eLenins Thesen zur nationalen und kolonialen Frage\u201c erweckten bei mir ein Hochgef\u00fchl, eine gro\u00dfe Begeisterung, einen starken Glauben und halfen mir, die Probleme klar zu sehen. Meine Freude war so gro\u00df, dass mir dar\u00fcber die Tr\u00e4nen kamen. Allein in meinem Zimmer, rief ich aus, als st\u00fcnde ich vor einer gro\u00dfen Menge: Liebe unterdr\u00fcckte und ungl\u00fcckliche Landleute! Hier ist das, was wir brauchen, hier ist der Weg zu unserer Befreiung.\u201c (S. 273)<\/p>\n<p>Die Attraktivit\u00e4t der Leninschen Thesen beruhte jedoch nicht nur auf dem hohen Stellenwert, den er dem Kampf der unterdr\u00fcckten V\u00f6lker in den Kolonien beima\u00df, sondern auch auf seinen Anleitungen zum praktischen Handeln. Sein Verst\u00e4ndnis von einer Partei neuen Typs, von Berufsrevolution\u00e4ren, als Motor des revolution\u00e4ren Prozesses und nicht zuletzt die von der Notwendigkeit der engen Verbindung zwischen politischen und bewaffneten Kampf pr\u00e4gte das Denken und Handeln vieler antikolonialer Gruppierungen und verhalf ihnen auch, sich an die Spitze des antikolonialen Kampfes zu setzen.<\/p>\n<p>Der Erfolg dieses Kampfes, der zur nationalen Unabh\u00e4ngigkeit der L\u00e4nder S\u00fcdostasiens f\u00fchrte, war letztlich eng mit dem 2. Weltkrieg verbunden, der die Kr\u00e4fte der Kolonialm\u00e4chte erheblich geschw\u00e4cht und die der K\u00e4mpfer gegen den Kolonialismus und deren Militanz gest\u00e4rkt hatte; nicht zuletzt auch dadurch, dass sie in den Besitz von Waffen der Alliierten wie der Japaner gelangten. Entwicklungen auf dem europ\u00e4ischen Kontinent hatten somit auch in dieser Phase ma\u00dfgeblich die Gestaltung der politischen Landkarte S\u00fcdostasiens bestimmt. 1949 beendeten die Niederland ihre Kolonialherrschaft in Indonesien. F\u00fcnf Jahre nach der Niederlage in Dien Bien Phu sah sich Frankreich gezwungen, seine Truppen aus Indochina abzuziehen und auf der Genfer Konferenz einer Friedensregelung zuzustimmen. Gro\u00dfbritannien entlie\u00df 1963 Malaysia in die Unabh\u00e4ngigkeit und zog all seine Truppen \u201eEast of Suez\u201c ab und die USA \u00fcbernahmen mehr und mehr jene Rolle, die einst die europ\u00e4ischen M\u00e4chte in S\u00fcdostasien gespielt hatten. Ihr Versuch, europ\u00e4ische M\u00e4chte in ihre S\u00fcdostasienpolitik einzubinden, stie\u00df auf eine \u00e4u\u00dferst geringe Resonanz.<\/p>\n<p>Es mag sie vielleicht etwas verwundert haben, dass ich einleitend diesen weiten historischen Bogen gespannt habe, aber mir erschien es wichtig, diese historischen Hintergr\u00fcnde, auf die so gerne schlagwortartig Bezug genommen wird, etwas genauer auszuleuchten. Versucht man eine Bilanz der Beziehungen zwischen Europa und S\u00fcdostasien vom 16. bis zur Mitte des 20 Jahrhundert zu ziehen, so lassen sich folgende Punkte festhalten: gemessen an den damaligen technischen M\u00f6glichkeiten gab es sehr intensive Beziehungen zwischen Europa und S\u00fcdostasien. Diese Beziehungen erstreckten sich auf h\u00f6chst gegens\u00e4tzliche Lager und sehr unterschiedliche Ebenen. Europ\u00e4ische M\u00e4chte brachten gro\u00dfe Teile S\u00fcdostasiens unter ihre Kontrolle und beuteten die Ressourcen dieser L\u00e4nder aus. Aber aus Europa kamen auch die Ideen und Konzepte, mit denen der Kampf gegen den Kolonialismus erfolgreich gef\u00fchrt und die Kolonialherrschaft beendet werden konnte. In beiden F\u00e4llen bef\u00f6rderten sie aber nicht das Kooperations- sondern das Konfliktpotenzial zwischen diesen beiden Teilen der Welt.<\/p>\n<p>Nach dem Ende des 2. Weltkrieges wurde Europa ma\u00dfgeblich von zwei Entwicklungen gepr\u00e4gt. Zum einen war dies der Ost-West-Konflikt, der Europa in zwei antagonistische Bl\u00f6cke spaltete. Demgegen\u00fcber stand das Bem\u00fchen der westlich orientierten L\u00e4nder die \u00f6konomische und politische Integration weiter voranzutreiben und zu festigen. Aus der 1951 zwischen den Beneluxstaaten, Frankreich, Italien und der Bundesrepublik Deutschland gegr\u00fcndeten Montanunion wurde 1957 der Europ\u00e4ische Wirtschaftsgemeinschaft, aus 1993 durch den Vertrag von Maastricht der Europ\u00e4ische Gemeinschaft hervorging, die seit 2009 durch den Vertrag von Lissabon zur Europ\u00e4ischen Union wurde, in der nun 28 europ\u00e4ische L\u00e4nder Mitgliedschaft besitzen. Aus den leidvollen Erfahrungen zweier Weltkriege war man zu der \u00dcberzeugung gelangt, dass ein gemeinsamer Markt, eine wirtschaftliche Union durch entsprechende politische Rahmenbedingungen sowie durch ein dichtes Netz pers\u00f6nlicher Kontakte auf den unterschiedlichsten Ebenen begleitet sein m\u00fcssen, damit Konflikte bew\u00e4ltigt und nachhaltige Stabilit\u00e4t gew\u00e4hrleistet werden kann.<\/p>\n<p>Auch in S\u00fcdostasien hat es nach dem 2. Weltkrieg nicht an Versuchen gefehlt, regionale und internationale Kooperation auf den Weg zu bringen und entsprechende Vereinbarungen zu treffen. Im April 1955 waren in der indonesischen Stadt Bandung Vertreter von 29 \u00a0Nationalstaaten aus Asien und Afrika \u2013 darunter solche Schwergewichte wie Indien und China \u00a0zusammengekommen, um \u00fcber Mittel und Wege einer st\u00e4rkeren Zusammenarbeit zu beraten, um dadurch ihren L\u00e4ndern auf internationaler Ebene gr\u00f6\u00dferes Gewicht zu verleihen. Einen vergleichbaren Versuch hatte zehn J\u00e4hre sp\u00e4ter der damalige Pr\u00e4sident Sukarno mit seinem Konzept der \u201eNew Emerging Forces\u201c unternommen. Beiden Projekten war gemein, dass sie \u00fcber Proklamationen nicht hinauskamen und keine Strukturen schaffen konnten, die Einfluss auf internationaler B\u00fchne h\u00e4tten aus\u00fcben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wie bereits oben erw\u00e4hnt, setzten die die USA zu Beginn der 50ger Jahre des vergangenen Jahrhunderts alles daran, jene L\u00fccke, jenes Machtvakuum zu f\u00fcllen, das sich nach dem Abzug der europ\u00e4ischen M\u00e4chte aus S\u00fcdostasien ergeben hatte. Als Parallele zu der den Atlantik \u00fcbergreifenden Verteidigungsorganisation der NATO gedacht war im September 1954 \u2013 wenige Monate nach der Niederlage in Dien Bien Phu und dem Abschluss des Genfer Indochina-Abkommens &#8211; unter amerikanischer F\u00fchrung die SEATO (South East Asia Treaty Organization) gegr\u00fcndet worden, die sich von Anfang als milit\u00e4risches Verteidigungsb\u00fcndnis verstand, das keine weiteren Anspr\u00fcche auf \u00f6konomische und politische Kooperation stellte. Ein \u00e4hnliche Zielsetzung verfolgte das 1971 gegr\u00fcndete \u201eFive Power Defence Agreement\u201c, das zwischen Gro\u00dfbritannien, Australien, Neu Seeland, Malaysia und Singapur vereinbart wurde. Auch diesen beiden Organisationen gelang es nicht, wirklichen Einfluss auf die milit\u00e4rische und sicherheitspolitische Situation S\u00fcdostasiens zu nehmen, die seit den 60ger Jahren durch den sich dramatisch eskalierenden Krieg in Vietnam gepr\u00e4gt und gef\u00e4hrdet wurde.<\/p>\n<p>Als im August 1967, auf dem H\u00f6hepunkt des Krieges in Vietnam, sich die westlich orientierten Staaten S\u00fcdostasien, Thailand, Malaysia, Singapur Indonesien und die Philippinen sich zur \u201eAssociation of Southeast Asian Nations\u201c (ASEAN) zusammenschlossen, wurde dies damals von vielen Beobachtern nur als ein weiterer Versuch gesehen, die Kr\u00e4fte des westlichen Lagers in S\u00fcdostasien zusammenzuschlie\u00dfen und hier eine gemeinsame Front gegen jene kommunistische Gefahr zu errichten, die von Vietnam ausgehend ganz S\u00fcdostasien unter ihre Herrschaft zu bringen drohte. Diese Einsch\u00e4tzung folgte der Domino-Theorie, die in der 50ger Jahren der damalige amerikanische Pr\u00e4sident Eisenhower so formulierte: \u201eWenn Vietnam f\u00e4llt werden auch die anderen L\u00e4nder S\u00fcdostasiens wie eine Reihe Dominosteine fallen.\u201c<\/p>\n<p>Im Abstand von einigen Jahrzehnten kann man jedoch sehr viel besser erkennen als dies den Zeitgenossen bewusst war, dass hier etwas grundlegend Neues im Entstehen begriffen war. Zum ersten Mal hatten sich f\u00fcnf L\u00e4nder S\u00fcdostasiens ohne Beteiligung externer M\u00e4chte oder Gro\u00dfm\u00e4chte zu Staatenbund zusammengeschlossen. Angesichts jener m\u00f6rderischen Auseinandersetzung zwischen Ost und West, die sich zu jenem Zeitpunkt in Indochina und damit im Herzen S\u00fcdostasiens abspielte, war dies zumindest ein erster Schritt, einen unabh\u00e4ngigen Weg jenseits der Blockkonfrontation einzuschlagen. Diesem ersten Schritt folgten jedoch etliche Jahre keine weiteren.<\/p>\n<p>Erst die Siege, die die kommunistischen Kr\u00e4fte in Kambodscha, Vietnam und Laos errungen hatten und die zielstrebigen Versuche Hanois, \u201ebesondere Beziehungen\u201c zu seinen beiden Nachbarl\u00e4ndern Laos und Kambodscha aufzubauen und in Indochina ein regionales B\u00fcndnis unter seiner F\u00fchrung zu etablieren, veranlassten auch die ASEAN-Mitglieder, ihrer Organisation verbindlichere Strukturen zu geben. Im Februar 1976 fast neun Jahre nach der Gr\u00fcndung der ASEAN unterzeichneten deren Mitglieder den \u201eTreaty of Amity and Cooperation\u201c (TAC), der den sie zum Grundlagenvertrag der ASEAN erkl\u00e4rten.<\/p>\n<p>Mit dem Zusammenbruch des von der Sowjetunion gef\u00fchrten Sozialistischen Lagers und dem Ende des sowjetisch-chinesischen Konflikts verschwanden auch in S\u00fcdostasien jene Frontlinien der Blockkonfrontation, die diese Region Jahrzehnte lang tief gespalten hatte. Die L\u00e4nder Indochinas mussten sich nun au\u00dfenpolitisch wie au\u00dfenwirtschaftlich neu orientieren. Dies war jedoch ein Prozess, der von Seiten der ASEAN wie der neuen Beitrittskandidaten einige Anstrengungen erforderte. 1995 wurde Vietnam Mitglied der ASEAN, 1997 folgten Laos und Myanmar, zwei Jahre sp\u00e4ter Kambodscha. Gerade mit der Aufnahme Myanmars hatte die ASEAN ihre Unabh\u00e4ngigkeit gegen\u00fcber den westlich orientierten L\u00e4ndern unter Beweis gestellt, die mit Hilfe weitgehender Sanktionen Myanmars Milit\u00e4rregime in die Knie zwingen wollten. Die ASEAN setzten dagegen auf \u201eConstructive Engagement\u201c um dort einen grundlegenden Wandel des politischen Systems zu erreichen.<\/p>\n<p>Dr. Gerhard Will<b>\u00a0<\/b><\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><i><strong>Dr. Gerhard Will<\/strong><b>\u00a0<\/b>ist\u00a0 Politikwissenschaftler in Deutschland. Seine Forschungsgebiete sind Transformationsprozesse sozialistischer L\u00e4nder Asiens; Sicherheitspolitik, wirtschaftliche Entwicklung und Integrationsprozesse in S\u00fcdostasien; S\u00fcdostasiens Rolle in der internationalen Politik.<\/i><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_4266\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"4266\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/test.east-sea.de\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p>Views: 0<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwar hatte es nachweisbar schon seit den Zeiten des r\u00f6mischen Kaiserreiches Handelsbeziehungen zwischen Europa und Ost bzw. S\u00fcdostasien gegeben, aber diese Beziehungen gingen \u00fcber viele Stationen und unterschiedliche Zwischenh\u00e4ndler arabischen, persischen und nat\u00fcrlich auch malaysischen Ursprungs; Kulturen, die auf Handel und Austausch angelegt waren und davon auch materiell profitierten. Die wirtschaftliche St\u00e4rke dieser H\u00e4ndler beruhte [&hellip;]<\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_4266\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"4266\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/test.east-sea.de\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-4266","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-tu-lieu-nghien-cuu"],"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"3.0.2","language":"de","enabled_languages":["vi","en","de"],"languages":{"vi":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"en":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false}}},"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/test.east-sea.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4266","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/test.east-sea.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/test.east-sea.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/test.east-sea.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/test.east-sea.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4266"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/test.east-sea.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4266\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4268,"href":"https:\/\/test.east-sea.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4266\/revisions\/4268"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/test.east-sea.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4266"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/test.east-sea.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4266"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/test.east-sea.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4266"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}