{"id":4000,"date":"2019-03-01T19:55:31","date_gmt":"2019-03-01T18:55:31","guid":{"rendered":"http:\/\/east-sea.de\/?p=4000"},"modified":"2019-03-05T06:07:56","modified_gmt":"2019-03-05T05:07:56","slug":"nordkorea-experte-zum-hanoi-gipfelkim-wird-die-atomwaffen-nicht-aufgeben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/test.east-sea.de\/de\/2019\/03\/01\/nordkorea-experte-zum-hanoi-gipfelkim-wird-die-atomwaffen-nicht-aufgeben\/","title":{"rendered":"Nordkorea-Experte\u00a0zum Hanoi-Gipfel:&#8220;Kim wird die Atomwaffen nicht aufgeben&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>Wie geht es weiter nach dem geplatzten Hanoi-Gipfel? Nordkorea-Experte Andrei Lankov ist optimistisch, dass Washington und Pj\u00f6ngjang sich weiter ann\u00e4hern &#8211; zumindest teilweise. Und er sieht einen gro\u00dfen Verlierer.<\/strong><\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_4001\" aria-describedby=\"caption-attachment-4001\" style=\"width: 860px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4001 size-full\" src=\"http:\/\/east-sea.de\/datei\/uploads\/2019\/03\/th\u01b0\u1ee3ng-\u0111\u1ec9nh-.jpg\" alt=\"\" width=\"860\" height=\"484\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-4001\" class=\"wp-caption-text\">Donald Trump und Kim Jong Un<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"author\">Ein Interview von Katharina Gra\u00e7a Peters, Seoul<\/p>\n<div class=\"author-details\">\n<div class=\"author-image\"><a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/impressum\/autor-12272.html\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"author-thumb\" title=\"\u00a9 Christian O. Bruch\/ laif\" src=\"http:\/\/cdn1.spiegel.de\/images\/image-1044080-thumbsmall-uwml-1044080.jpg\" alt=\"\u00a9 Christian O. Bruch\/ laif\" width=\"90\" height=\"90\" \/><\/a><\/div>\n<div>Trotz Schmeicheleien zwischen US-Pr\u00e4sident <a class=\"text-link-int lp-text-link-int\" title=\"Donald Trump\" href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/thema\/donald_trump\/\">Donald Trump<\/a> und Nordkoreas Machthaber <a class=\"text-link-int lp-text-link-int\" title=\"Kim Jong Un\" href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/thema\/kim_jong_un\/\">Kim Jong Un<\/a> endete ihr Gipfel in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi <a class=\"text-link lp-text-link-int\" title=\"Atomgipfel in Vietnam\u00a0zwischen Kim und Trump: Friedensnobelpreis? Hanoi!\" href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/donald-trump-und-kim-jong-un-das-debakel-von-hanoi-a-1255580.html\">ohne Ergebnis<\/a>.<\/div>\n<div>\n<p>\u00dcber die Gr\u00fcnde des Scheiterns <a class=\"text-link lp-text-link-int\" title=\"Geplatzter Trump-Kim-Gipfel in Hanoi: Wie es zum Scheitern kam\" href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/donald-trump-und-kim-jong-un-wie-es-zum-scheitern-des-hanoi-gipfels-kam-a-1255522.html\">gibt es unterschiedliche Versionen<\/a>: Trump sagte, Nordkorea habe die vollst\u00e4ndige Aufhebung der Sanktionen verlangt &#8211; die nordkoreanische Seite sprach davon, dass es nur um einen Teil der Strafma\u00dfnahmen gegangen sei.<\/p>\n<p>Ist der geplatzte Gipfel nun Grund zur Sorge, dass die Diplomatie gescheitert ist? Der Nordkorea-Experte Andrei Lankov mahnt zu Gelassenheit.<\/p>\n<hr \/>\n<div class=\"asset-title\">Zur Person<\/div>\n<div class=\"asset-title\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"\" src=\"http:\/\/cdn4.spiegel.de\/images\/image-1401193-thumbbiga-hpfs-1401193.jpg\" alt=\"\" width=\"160\" height=\"120\" \/><\/div>\n<p><b>Andrei Lankov<\/b>, 55, gilt als einer der weltweit renommiertesten Experten f\u00fcr Nordkorea. Er stammt aus Russland, hat in Leningrad und sp\u00e4ter ein Jahr in Pj\u00f6ngjang studiert und ist heute Professor an der Kookmin Universit\u00e4t in Seoul, S\u00fcdkorea. Lankov hat zahlreiche B\u00fccher \u00fcber Nordkorea ver\u00f6ffentlicht, die sich sowohl der Gesellschaft als auch der Geschichte des Landes widmen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><b>SPIEGEL ONLINE: <\/b>Die Erwartungen an den Gipfel in Hanoi waren gro\u00df. Waren Sie \u00fcberrascht, als er pl\u00f6tzlich ohne Ergebnis endete?<\/p>\n<p><b>Andrei Lankov:<\/b> Ja. Zwar hatte ich angenommen, dass Donald Trump und Kim Jong Un auseinandergehen k\u00f6nnten, ohne zu einem guten Ergebnis zu kommen &#8211; aber ich h\u00e4tte erwartet, dass sie versuchen w\u00fcrden, Gesicht zu wahren und einen No-Deal als gro\u00dfen Schritt zu verkaufen.<\/p>\n<p><b>SPIEGEL ONLINE: <\/b>Warum waren Sie schon vorher skeptisch?<\/p>\n<p><b>Lankov:<\/b> Um bei atomarer Abr\u00fcstung zu einem guten Ergebnis zu gelangen, braucht es viel Koordination und Arbeit von einem Expertenteam. Es ist sehr schwer, das bei einem kurzen Treffen auszuhandeln. Als die Sowjetunion und die USA verhandelten, gab es gro\u00dfe Teams, die die technischen Details jahrelang ausarbeiteten, um letztlich den Entscheidern an oberster Stelle vorzulegen. Hier war das nicht der Fall. Die unteren und mittleren diplomatischen Ebenen wurden geradezu ausgegrenzt. Trump misstraut seinen eigenen Mitarbeitern und will alles selbst verhandeln. Hinzu kommt, dass beide Seiten sehr stur sind, besonders die Nordkoreaner.<\/p>\n<p><b>SPIEGEL ONLINE: <\/b>Trump und Kim sind zwar ohne Ergebnis auseinandergegangen, aber der Ton blieb \u00fcberraschend freundlich. Beide sind offenbar bereit, weiter miteinander zu sprechen.<\/p>\n<p><b>Lankov:<\/b> Ja, das ist bemerkenswert. H\u00f6ren Sie genau hin, was die Nordkoreaner in der Nacht zu Freitag gesagt haben: Die angebotene atomare Abr\u00fcstung sei die weitreichendste Ma\u00dfnahme, die f\u00fcr das Land &#8222;derzeit&#8220; machbar sei &#8211; es sieht also so aus, als ob sie in der Zukunft Zugest\u00e4ndnisse machen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p><b>SPIEGEL ONLINE: <\/b>Also wird es Ihrer Ansicht nach jetzt keine R\u00fcckkehr zu Kriegsdrohungen geben?<\/p>\n<p><b>Lankov:<\/b> Was in Hanoi passiert ist, sind zwar schlechte Nachrichten. Aber es ist alles nicht so dramatisch, wie es scheint, und kein Grund zur Verzweiflung. Die Gespr\u00e4che sind nicht zusammengebrochen. Das war einfach eine weitere Verhandlungsrunde, die ohne Ergebnis endete. Vielleicht werden wir irgendwann einige gute Kompromisse sehen. Eine vollst\u00e4ndige Denuklearisierung wird es allerdings nicht geben.<\/p>\n<p><b>SPIEGEL ONLINE: <\/b>Aber das Ziel der USA ist doch, dass Nordkorea vollst\u00e4ndig atomar abr\u00fcstet?<\/p>\n<p><b>Lankov:<\/b> So lange die Kim-Familie das Land f\u00fchrt, wird Nordkorea eine Atommacht bleiben &#8211; weder Druck, Erpressung oder Wirtschaftshilfe werden daran etwas \u00e4ndern. Nur eine massive Invasion k\u00f6nnte sie dazu bringen, ihr Atomprogramm aufzugeben, und das w\u00fcrde in einem blutigen Krieg enden. Die Nuklearwaffen sichern Kim die Macht. Kein anderer Staat wird sich trauen zu intervenieren, wenn es einen Aufstand in Nordkorea g\u00e4be.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem erinnert man sich in Pj\u00f6ngjang genau daran, was mit Muammar al-Gaddafi passiert ist, der seine Atomwaffen aufgab und sp\u00e4ter gest\u00fcrzt wurde. Und wer garantiert Nordkorea, dass der n\u00e4chste Pr\u00e4sident der USA nach Trump sich an ein m\u00f6gliches Abkommen von Trump und Kim halten w\u00fcrde? Pj\u00f6ngjang w\u00fcrde dann keine Atomwaffen mehr haben und nur ein paar wertlose Papierst\u00fccke, die sich internationale Garantien nennen.<\/p>\n<p><b>SPIEGEL ONLINE: <\/b>Also wird Kim Jong Un seine Atomwaffen nicht aufgeben?<\/p>\n<p><b>Lankov:<\/b> Absolut nicht. Er ist Realist. Er wird nicht die Atomwaffen aufgeben, die garantieren, dass er und seine Familie am Leben und an der Macht bleiben. Das ist das Problem der Amerikaner: In Hanoi hat Donald Trump immer wieder \u00fcber die wirtschaftlichen Vorteile der Denuklearisierung gesprochen. Aber um reich zu werden, muss man erst einmal am Leben sein.<\/p>\n<p><b>SPIEGEL ONLINE: <\/b>Wie kann man unter diesen Bedingungen die Nordkoreaner zur\u00fcck an den Verhandlungstisch bekommen?<b><\/b><\/p>\n<p><b>Lankov:<\/b> Sie sind bereit, weiter zu verhandeln und zwar aus mehreren Gr\u00fcnden. Erstens hat Donald Trump sie 2017 in Panik versetzt. Vielleicht bluffte er, aber f\u00fcr kurze Zeit sah es wirklich so aus, als ob er bereit sei, einen Erstschlag gegen Nordkorea zu f\u00fchren. Vorherige Pr\u00e4sidenten w\u00e4ren dazu nie bereit gewesen, weil sie wussten, dass die nordkoreanische F\u00fchrung dann mit einem Angriff auf die s\u00fcdkoreanische Hauptstadt Seoul reagiert h\u00e4tten. Sie hielt in den vergangenen Jahrzehnten also 25 Millionen Menschen als Geiseln &#8211; n\u00e4mlich die Bev\u00f6lkerung vom Gro\u00dfraum Seoul. Daher nahm sie an, dass die Amerikaner keinen Konflikt riskieren w\u00fcrden. Aber bei Trump war sie sich nicht mehr so sicher. Das Regime setzt also lieber auf Gespr\u00e4che mit Trump statt auf Konfrontation.<\/p>\n<p><b>SPIEGEL ONLINE: <\/b>Was ist der zweite Grund?<\/p>\n<p><b>Lankov:<\/b> Die seit 2016 verh\u00e4ngten Sanktionen gegen Nordkorea haben die Wirtschaft zwar nicht in eine schwere Krise gest\u00fcrzt, hemmen aber das Wachstum. Kim Jong Un hat viele Reformen eingef\u00fchrt, die er von China kopiert hat, und die in Nordkorea auch gut funktionieren. Kim versteht aber, dass er den Lebensstandard anheben und an die umliegenden Staaten und besonders an S\u00fcdkorea angleichen muss, wenn er die n\u00e4chsten f\u00fcnfzig Jahre an der Macht bleiben will. Er braucht also unbedingt langfristig Wirtschaftswachstum. Aber das geht nicht, ohne dass die Sanktionen gelockert werden.<\/p>\n<p><b>SPIEGEL ONLINE: <\/b>Zu welchen Zugest\u00e4ndnissen ist Kim ihrer Ansicht nach bereit?<\/p>\n<p><b>Lankov:<\/b> Er wird nat\u00fcrlich versuchen, so wenige Zugest\u00e4ndnisse wie m\u00f6glich zu machen. Aber es k\u00f6nnten die Urananreicherungsanlage in Yongbyon und weitere Einrichtungen demontiert werden, sodass die Nordkoreaner in der nahen Zukunft keine neuen Atomwaffen produzieren k\u00f6nnen. Sie werden vermutlich Dutzende atomare Sprengk\u00f6pfe und einige Tr\u00e4gersysteme behalten, in jedem Fall Kurz- und Mittelstreckenraketen, aber vielleicht auch Interkontinentalraketen. Das w\u00e4re eine m\u00f6gliche Einigung, aber ich w\u00fcrde trotzdem nicht darauf wetten, dass es wirklich so weit kommt.<\/p>\n<p><b>SPIEGEL ONLINE: <\/b>Der gro\u00dfe Vermittler zwischen Nordkorea und den USA im vergangenen Jahr war der s\u00fcdkoreanische Pr\u00e4sident Moon. F\u00fcr ihn war das gestern ein schwarzer Tag.<\/p>\n<p><b>Lankov:<\/b> Ja, er ist der gro\u00dfe Verlierer des gestrigen Tages. Moon setzt gro\u00dfe Hoffnungen in die Ann\u00e4herung an Nordkorea. Er ist \u00fcberzeugt, dass die wirtschaftliche Zusammenarbeit beider Staaten verhindert, dass Nordkorea politisch gef\u00e4hrlich wird. Aber wenn die Uno-Sanktionen nicht gelockert werden &#8211; und daf\u00fcr braucht es die USA &#8211; ist fast keine wirtschaftliche Interaktion m\u00f6glich.<\/p>\n<p><b>SPIEGEL ONLINE: <\/b>Hat er als Vermittler Fehler gemacht?<\/p>\n<p><b>Lankov:<\/b> Nein. Moon hat eine brillante Politik gemacht. Dass der Gipfel gescheitert ist, war einfach Pech f\u00fcr ihn.<\/p>\n<p><b>SPIEGEL ONLINE: <\/b>Wann wird es Ihrer Meinung nach neue Gespr\u00e4che geben?<\/p>\n<p><b>Lankov:<\/b> Lassen Sie einige Wochen oder Monate verstreichen. Momentan sieht es so aus, als ob es weitere Gespr\u00e4che geben wird. So lange sie miteinander reden, werden die Nordkoreaner keine weiteren Raketen testen und die Amerikaner keinen Erstschlag vorbereiten. Verhandlungen verhindern Spannungen. Verhandlungen sind besser als Krieg.<\/p>\n<p>Quelle: http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/nordkorea-experte-ueber-hanoi-gipfel-kim-wird-die-atomwaffen-nicht-aufgeben-a-1255775.html<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p id=\"pvc_stats_4000\" class=\"pvc_stats all  \" data-element-id=\"4000\" style=\"\"><i class=\"pvc-stats-icon medium\" aria-hidden=\"true\"><svg aria-hidden=\"true\" focusable=\"false\" data-prefix=\"far\" data-icon=\"chart-bar\" role=\"img\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 512 512\" class=\"svg-inline--fa fa-chart-bar fa-w-16 fa-2x\"><path fill=\"currentColor\" d=\"M396.8 352h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V108.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v230.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm-192 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V140.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v198.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zm96 0h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8V204.8c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v134.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8zM496 400H48V80c0-8.84-7.16-16-16-16H16C7.16 64 0 71.16 0 80v336c0 17.67 14.33 32 32 32h464c8.84 0 16-7.16 16-16v-16c0-8.84-7.16-16-16-16zm-387.2-48h22.4c6.4 0 12.8-6.4 12.8-12.8v-70.4c0-6.4-6.4-12.8-12.8-12.8h-22.4c-6.4 0-12.8 6.4-12.8 12.8v70.4c0 6.4 6.4 12.8 12.8 12.8z\" class=\"\"><\/path><\/svg><\/i> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"16\" height=\"16\" alt=\"Loading\" src=\"https:\/\/test.east-sea.de\/wp-content\/plugins\/page-views-count\/ajax-loader-2x.gif\" border=0 \/><\/p>\n<div class=\"pvc_clear\"><\/div>\n<p>Views: 0<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie geht es weiter nach dem geplatzten Hanoi-Gipfel? 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